Borretsch
Borretsch
(Borago officinalis), vereinzelt auch Boretsch geschrieben oder als
Gurkenkraut bezeichnet, ist eine Gewürz- und Heilpflanze in der Familie der
Rauhblattgewächse (Boraginaceae).
Beschreibung
Die einjährige krautige Pflanze wird bis zu 70
Zentimeter hoch und ist an Stängeln und Blättern borstig behaart. Die derben
Blätter sind dunkelgrün, lanzett- bis eiförmig geformt und zehn bis fünfzehn
Zentimeter lang. Von Mai bis September trägt die Pflanze leuchtend blaue Blüten,
die jeweils an einem etwa drei Zentimeter langem Blütenstiel sitzen. Die Blüten
sind fünfzählig. Die fünf Kelchblätter bestehen aus lanzettförmigen
Zipfeln und sind während der Blütezeit sternförmig zurückgeschlagen. Die fünf
blauen Kronblätter bilden in der Blütenmitte fünf Schlundschuppen und die
blaulila Staubblätter stehen so eng aneinander, dass sie einen Streukegel
bilden. Der Fruchtknoten ist oberständig und befindet sich ebenso wie der
Griffel im Inneren dieses Streukegels.
Die
Blüten sind vormännlich. Das bedeutet, dass zuerst der Pollen gebildet ist,
und erst wenn die Blüte älter und sich im weiblichen Stadium befindet,
nehmen die nun reifen Narben den mitgebrachten Pollen bestäubender Insekten
auf. Mit diesem Mechanismus wird verhindert, dass sich die Pflanze selbst bestäubt.
Der
in den Blüten enthaltene Farbstoff wirkt als Indikator. Wie Lackmus verfärbt
er sich rot, wenn er in saure Lösungen kommt. Bei älteren Blüten ist auch
eine leichte Rotfärbung zu beobachten.
Bestäubung
Für Imker zählt
der Borretsch zu den Bienenweiden. Die blauen Blüten verfügen über
leuchtende Strichsaftmale, die für bestäubende Insekten sichtbar, für den
Menschen jedoch ohne Hilfsmittel nicht erkennbar sind.
Neben
Bienen suchen vor allem Hummeln auf der Nektarsuche die Blüten auf. Die bestäubenden
Insekten fliegen die nickenden Blüten von unten an und halten sich dabei an
den Schlundschuppen fest. Berühren sie die Außenseite des Streukegels einer
im vormännlichen Stadium befindlichen Blüte, öffnet sich der Streukegel,
und Pollen rieselt auf das Insekt herab. Bei Blüten, die im weiblichen
Stadium sind, ist der Griffel aus dem Staubblattkegel herausgewachsen.
Insekten, die pollenbestäubt eine solche Blüte besuchen, drücken dort den
Pollen auf die Narbe des Griffels.
Vorkommen
Borretsch ist eine ursprünglich im
Mittelmeergebiet beheimatete Pflanze und kommt dort vor allem auf Brachflächen
vor. Sie wird heute in fast ganz Europa und Nordamerika kultiviert. Aufgrund
dieser gezielten Einführung zählt man sie zu den ethelochoren Pflanzen. Als
Gartenflüchtling ist sie an einigen Orten verwildert.
Nach
Mitteleuropa gelangte der Borretsch erst im späten Mittelalter. Er wurde
zuerst in Frankreich kultiviert und gelangte von dort aus nach Deutschland.
Bereits im 16. Jahrhundert wurde die Pflanze in Bauerngärten häufig
angebaut.
Verwendung
in der Küche
Die Blätter des Borretsch werden in Salaten
gegessen oder in Suppen gekocht. Aus den etwa 3 mm großen, dunklen Samen kann
Öl (Borretschsamenöl) gewonnen werden. Borretsch ist ein Bestandteil der Grünen
Soße, einem typischen Gericht der deutschen Regionalküche, das sich
besonders im Frankfurter Raum großer Beliebtheit erfreut.
Auch
die blauen Blüten kann man als Salatdekoration verwenden - sie sind essbar.
Allerdings erst das Dressing auf den Salat geben und dann die Blüten, denn
der Essig lässt die Farbe der Blüten in rot umschlagen. Früher stellte man
aus den Blüten auch ein Konfekt her, mit dem Süßspeisen dekoriert wurden.
Die Blüten wurden dazu mit Eischnee bestrichen und mit Puderzucker bestreut
und anschließend getrocknet.
Zum
Würzen werden nur die frischen, jungen Blätter oder die Blüten verwendet,
da Borretsch beim Trocknen rasch an Aroma verliert. Es empfiehlt sich, die Blätter
wegen der rauen Haare klein zu hacken
Da
der Gehalt an lebertoxischen Pyrrolizidinalkaloiden recht hoch sein kann
sollte Borretsch
nur
gelegendlich und sparsam eingesetzt werden
Anmerkung
Hat man Borretsch erst einmal im Garten, neigt es
dazu sich unkontrolliert zu vermehren.
Um
dies zu verhindern sollten verblühte Blüten umgehend entfernt werden.
Der Inhalt steht unter der GNU-Lizenz
für freie Dokumentation